Glasfaser ist erste Wahl

9. Juni 2015

Kein VDSL, kein TV-Kabel, kein WLAN, kein UMTS und auch kein LTE kann der Übertragungsbandbreite einer Glasfaser das Wasser reichen. Selbst LTE-Basis-Stationen werden per Glasfaser angebunden. Wie die High-Speed-Technik funktioniert, zeigt der Bericht über den Glasfaser-Einsatz in einer bayerischen Gemeinde.

Glasfaserleitungen bieten große Vorteile gegenüber Kupferkabeln: Sie sind unempfindlich gegenüber elektromagnetischen Störfeldern. Deshalb kann man sie auch in Rohre verlegen, in denen bereits Kupferkabel, Stromkabel oder gar Hochspannungsleitungen vorhanden sind. Da im Glas kein Strom fließt, gibt es keinen Kurzschluss, nicht mal unter Wasser. Daher lassen sich Glasfaser auch durch Bäche, Seen, Flüsse, Wasserleitungen, Abwasserkanäle oder knapp unter den Meeresboden verlegen. Im Gegensatz zu elektrischen Kabeln sind die Lichtwellenleiter zudem nahezu abhörsicher.

Glasfaser: der Breitband-Ferrari

Die Glasfasertechnik bietet aus heutiger Sicht fast grenzenlose Übertragungsreserven: Mühelos transportiert sie alle bisher bekannten Internet-Anwendungen bis hin zu Cloud-Applikationen, High-Speed-Online-Gaming, E-Learning, Telemedizin, Online-Videotheken, 3D-TV-Streaming, Videokonferenz in Lebensgröße oder das Backup ganzer Festplatten in entfernte Datenserver. Glasfaser ist die Königsdisziplin der Breitbandtechnik. Private Haushalte können sie auf absehbare Zeit kaum an die Leistungsgrenzen bringen.

Lässt man die hohen Kosten der Erstverlegung außer Acht, so müsste man eigentlich fast jeden Haushalt und fast jede Firma über Glasfaser anbinden. Im Gegensatz zu den längst abgeschriebenen Telefon-Kupfernetzen der Telekom und den TV-Kabel-Netzen von Kabel Deutschland und deren Mitbewerbern kann man beim Glasfaser-Rollout jedoch auf gar kein bestehendes Netz aufsetzen. Vielerorts müssen ganze Straßenzüge neu aufgerissen werden. Die Grabungsarbeiten sind beim Ausbau der Infrastruktur mit bis zu 80 Prozent der größte Kostenblock. Die Erschließung einer städtischen Wohnung mit VDSL liegt “nur” im oberen dreistelligen, die Erschließung mit Glasfaser dagegen im mittleren vierstelligen Bereich. Wegen der hohen Grabungskosten werden vorzugsweise dicht besiedelte Innenstädte und zentrale Büroflächen mit dem Glas-Internet versorgt. Es gibt aber auch kleine Gemeinden, die sich an den Ausbaukosten beteiligen und dadurch eine moderne Glasfaser-Anbindung erhalten.

Je näher man die Glasfaser an den Internet-Verbraucher heranführt, desto teurer wird der Ausbau der Infrastruktur. Grob gesagt gibt es drei unterschiedlich teure Ausbaustufen:

FttC (Fiber to the Curb)

Beim Fiber-to-the-Curb-Konzept, kurz FttC, führt man die Glasfasern bis an den grauen KVz-Verteilerkasten auf dem Bürgersteig (Curb = Bordsteinkante) heran. Dort wird das Internet von glasfaserkompatiblen Laserimpulsen in kupferkompatible Stromstöße umgewandelt. So kann man die jahrzehntealten Kupferkabel der Deutschen Post alias Telekom ohne erneute Grabungsarbeiten bis in die einzelnen Keller benutzen. Je nach Korrosionszustand der Kupferlitzen und Entfernung vom KVz-Verteilerkasten kann man das Internet in der Praxis durch raffinierte VDSL-2-Modulationstechniken bis 50 MBit/s Downstream durch die uralten Postleitungen jagen. Besser klappt VDSL jedoch mit neuen Kupferkabeln. Viele kleinere Gemeinden haben eine FttC-Infrastruktur in den letzten Jahren durch einen Mix aus staatlichen Fördermitteln und eigenen Zuzahlungen aus dem Gemeindesäckel bekommen. Ein Beispiel ist Langerringen im Landkreis Augsburg.

FttB (Fiber to the Building)

Beim Fiber-to-the-Building, kurz FttB, führt man die Glasfasern bis in den Keller der einzelnen Gebäude (=Building) hinein. Dazu muss bis zu jedem Keller meist neu gegraben, die Kellerwand durchbohrt und anschließend gas- und wasserdicht versiegelt werden. Erst im Keller wird das Übertragungssignal umgewandelt. Die hausinterne Kupferverkabelung wird weiter genutzt. München soll bis 2013 innerhalb des Mittleren Rings komplett mit Fiber-to-the-Building verglasfasert sein. Das ist vermutlich das bislang größte städtische Glasfaserprojekt Europas.

FttH (Fiber to the Home)

Beim Fiber-to-the-Home, kurz FttH, wird die Glasfaservernetzung kompromisslos bis in die einzelnen Wohnungen oder Büros hinein geführt. Das ist die konsequenteste, leistungsfähigste und zukunftssicherste, aber auch kostenintensivste Lösung, weil man keine vorhandene Infrastruktur in der “letzten Meile” mitbenutzen kann. Damit sind Datenraten im Gigabit-Bereich bis zu den Endgeräten möglich.

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http://www.zdnet.de/88127996/breitbandausbau-glasfaser-ist-erste-wahl/

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